Vorteile einer Mischkultur

Welche Vorteile eine Mischkultur bringt

Geht man in die Natur wird man feststellen, dass dort in der Regel Pflanzen auf engsten Raum nebeneinander wachsen. Betrachten wir beispielsweise eine Wiese stellen wir fest, dass dort unterschiedliche Gräser, Kräuter und Blumen auf kleinsten Raum miteinander und nebeneinander wachsen. Dabei stehen sie natürlich auch in Konkurrenz um Nährstoffe und Licht. Viele Pflanzen haben sich aber hinsichtlich ihrer Lebensweise aufeinander abgestimmt und bilden nun eine Gemeinschaft. Auf dieser Wiese hat jeder Nachbar

  • sein spezifisches Wurzelbild
  • benötigt andere und eine andere Menge Nährstoffe
  • hat andere Ansprüche an Licht oder Schatten
  • wächst schlicht kleiner oder größer
  • hat andere Feinde und auch Freunde

Anders sieht es bei einer Mono- oder Gleichkultur aus. Dort stehen auf engsten Raum die selben Pflanzen.

  • Diese Pflanzen haben alle das selbe Wurzelbild (obwohl dieses individuell natürlich leicht variiert)
  • sie haben alle hunger auf die selben Sachen (Nährstoffe)
  • wachsen alle ungefähr gleich hoch und Breit
  • wollen alle die gleiche Menge Licht
  • haben die selben Feinde (ein Schlaraffenland aus Sicht eines “Schädlings”)

Im Folgenden möchte ich die oben genannten Punkte nochmal genauer erläutern.

Verschiedene Wurzeltiefen ausnutzen

Wurzeln sind ein wichtiger und oft unterschätzter Teil von Pflanzen. Sie besitzen oft eine größere Biomasse, als der obere sichtbare Teil der Pflanze. Dabei hat jede Pflanzenart ihr spezifisches Wurzelsystem. Das bedeutet die Anordnung der Wurzeln ist unterschiedlich, die Länge der Wurzel ist unterschiedlich, und der Durchmesser der Wurzeln ist unterschiedlich. Dabei ist das Wurzelsystem plastisch, also die Pflanze kann mit ihrem Wurzelwachstum auf bestimmte Umweltreize reagieren. So kann sich beispielsweise die Anordnung der Wurzel im Boden ändern und auch der Durchmesser oder die Länge variieren in einem bestimmten Rahmen. Somit hat jede Pflanze, auch innerhalb der selben Pflanzenart, ihr ganz eigenes individuelles Wurzelbild. Im Garten unterscheidet man beispielsweise zwischen flach wurzelnden und tief wurzelnden Pflanzen. Also sogenannte Flachwurzler und Tiefwurzler.

Flachwurzler

Durchwurzeln nur oberen Zentimeter des Bodens. Typische Flachwurzler sind Gurken, Radieschen, Erdbeeren, Salat, Spinat. Sie nutzen nur die Nährstoffe der obersten Bodenschicht. Würden nur Flachwurzler angebaut, würde der oberen Bodenschicht relativ schnell die Nährstoffe entzogen werden. Außerdem spülen Regen und Gießwasser bis zu einem Drittel der Nährstoffe in tiefere Bodenschichten.

Tiefwurzler

Die Wurzeln dieser Pflanzen können sehr tief in den Boden eindringen. Tiefen von bis zu einem Meter oder mehr sind nicht unüblich. Besonders die Pfahlwurzeln von Leguminosen können sehr tief in den Boden reichen. Demzufolge können sie Bodenschichten und somit Nährstoffressourcen erreichen, die Flachwurzler nicht erreichen und bringen diese an die Oberfläche. Sie fungieren als sogenannte Nährstoffpumpe. Denn Rückstände dieser tiefwurzelnden Pflanzen, die auf dem Beet zurückbleiben, sind dann auch wieder für Flachwurzler verfügbar.

Weiterhin lösen Tiefwurzler durch ihre Wurzelgänge Verdichtungen im Untergrund. Somit bildet sich beispielsweise keine schädliche Staunässe, da Regenwasser problemlos abfließen kann.

Nährstoffe werden unterschiedlich genutzt

Die unterschiedlichen Pflanzenarten auf unserem Beet haben unterschiedliche Ansprüche an die Menge und die Art der Nährstoffe, die sich im Boden befinden. Steht die selbe Pflanzenart immer wieder an der selben Stelle, wird sie auch immer wieder genau die selben Nährstoffe aufnehmen. Andere Nährstoffe bleiben liegen und versickern mit dem Gieß- und Regenwasser im Boden, weil sie nicht gebraucht werden. Kombiniert man geschickt Pflanzen, die unterschiedliche Nährstoffansprüche haben, ergänzen sich diese Pflanzen.

Bodenmüdigkeit vorbeugen

Pflanzt man jahrelang die selbe Pflanze oder ähnliche Pflanzen immer wieder an den selben Standort, wird das Wachstum dieser Pflanzen mit der Zeit schlechter werden. Die Ursachen dafür sind Vielfältig.

einseitige Nährstoffausnutzung

Ein Grund ist, wie oben schon beschrieben, dass eine einseitige Nährstoffausnutzung stattfindet.

Ansammlung hemmender Wurzelausscheidungen

Weitere Gründe können Wurzelausscheidungen sein. Diese werden auch Wurzelexsudate genannt. Wurzelexsudate können sich positiv aber auch negativ auf einige Pflanzen und auf die Organismen im Boden auswirken. Wird immer wieder die selbe Pflanze an den selben Ort gepflanzt, sammeln sich hemmende Stoffe im Boden an und wirken sich so negativ auf die Folgekultur aus.

Entstehung einer einseitigen Mikroorganismenflora
Der Boden ist voller Leben. In einer Handvoll Boden leben mehr Lebewesen, als es auf der Erde Menschen gibt. Wurzeln beeinflussen den Bereich im Boden, der sie direkt umgibt zum Beispiel durch die Abgabe von Wurzelausscheidungen (Wurzelexsudaten). Diesen beeinflussten Bereich nennt man auch die Rhizosphäre. In der Rhizosphäre tummeln sich mehrere hundertausend Mikroorganismen. Diese Mikroorganismen braucht die Pflanze, weil sie Nährstoffe produzieren indem sie sich beispielsweise von totem organischen Material ernähren. Jede Pflanzenart lockt durch ihre Wurzelexsudate eine spezifische Gemeinschaft von Mikroorganismen an. Somit bildet sich eine einseitige Mikroorganismenflora, die dann wiederum die Nährtofflösung einseitig reguliert. Dies kann ebenfalls zur Bildung von Bodenmüdigkeit führen.
Vorbeugen kann man diesen Phänomenen zum einen durch eine gelungene Fruchtfolge. Weiterhin kann der Einsatz von Mischkultur diesen Müdigkeitserscheinungen des Bodens entgegenwirken. Zwischenfpflanzungen können Schädlinge vertreiben. Die Wurzeln anderer Pflanzen können die Vielfalt der Mikroorganismen verbessern oder den Boden mit Nährstoffen anreichern (Leguminosen).

Pflanzenschutz durch Mischkultur

Bestimmte Pilze, Bakterien, Insekten, Weichtiere haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Sie können, wenn sie in großer Anzahl vorkommen, die Pflanze schädigen. Das kann sogar dazu führen, dass die Pflanze eingeht oder einfach komplett gefressen wird. Diese Angriffe können von Oberhalb aber auch von Unterhalb aus dem Boden erfolgen. Pflanzt man seine Pflanzen jedoch in Mischkultur kann sich das in mehrerlei Hinsicht positiv auf den Pflanzenschutz auswirken.

Pflanzen helfen Pflanzen

Die Kombination bestimmter Pflanzen führt dazu, das bestimmte Schädlinge von der jeweils andere Pflanze abgewehrt werden. Hier können wieder Wurzelausscheidungen Schutz, beispielsweise vor schädlichen Nematoden bieten. So sollen Ringelblumen schädliche Nematoden im Boden vertreiben. Aber auch Duftstoffe, die oberhalb des Bodens abgegeben werden, können bestimmte Schädlinge verwirren. So soll der Duft von Tomaten oder Sellerie Kohlweißlinge von unseren Pflanzen fernhalten. Zwiebel und Möhre schützen sich gegenseitig vor der Zwiebel- und Möhrenfliege.

Ein weiterer Grund ist, dass eine Monokultur oder Gleichkultur ein Schlaraffenland für “Schädlinge” ist. Eine riesen Fläche mit ihrem Lieblingsessen, dicht gedrängt so dass man ohne Probleme von Pflanze zu Pflanze wandern kann. Wenn das nicht verlockend klingt? Durch Mischkultur kann man diese Ausbreitung der Schadorganismen verhindern oder verringern. Zwischenpflanzungen bilden Hindernisse. Genauso wechselnde Reihen. Die Käfer, Schnecken oder Pilzsporen kommen nicht so leicht an die anderen Pflanzen. Weiterhin werden sie wieder von Duftgemisch der anderen Pflanzen abgelenkt, verwirrt und im Glücksfall finden sie ihr Objekt der Begierde nicht.

Klein und Groß ergänzen sich

Jede Pflanze benötigt durch ihren Wuchs einen bestimmten Platz beziehungsweise wächst in eine besondere Höhe. Das kann man sich bei der Mischkultur zu Nutze machen. So können große Pflanzen eventuell Schatten oder Windschutz dienen. Oder Pflanzen können sich ergänzen. Ein berühmtes Beispiel sind die drei Schwestern. Dabei handelt es sich im eine Kombination aus Mais, Rankbohnen und einem Kürbisgewächs. Dabei dient der Mais als Rankhilfe für die Bohnen. Die Boden dienen dem Mais und Kürbis als Stickstoffquelle (Leguminose) und der Kürbis beschattet den Boden und schützt den Boden und seine Schwestern vor Starkregen aber auch Trockenheit. Sonnenblumen, die sehr groß werden können, schützen andere Pflanzen vor Schäden durch Starkregen und Hagel.