Samenfestes Saatgut oder hybride Sorten für den Garten?

Samenfestes Saatgut oder hybride Sorten für den Garten?

1920 1080 Basti

Die Tage werden länger, unsere Winter-Stimmung schmilzt dahin und es kribbelt langsam wieder in den Fingern. Der Beginn der Gartensaison rückt näher. Jetzt im Februar fangen wir langsam an zu planen und unsere Garten-Vorhaben für dieses Jahr zu konkretisieren. Was und wo wollen wir anpflanzen? Und haben wir auch die passenden Samen dafür?

Gleich vorneweg, wir benutzen fast ausschließlich samenfestes Saatgut im Garten, weil wir so unser eigenes Saatgut gewinnen können. Und das ist einfach spannend! Doch es gibt auch noch gute andere Gründe für samenfestes Saatgut. Und was sind eigentlich F1-Hybride? Welche Vorteile und Nachteile haben die verschiedenen Sorten? Das alles erfahrt Ihr in diesem Blog-Beitrag. Doch bevor wir diese heißen Fragen klären, blicken wir noch einmal kurz in die Geschichte. Und nun viel Spaß!

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Wie entstand überhaupt die Kulturpflanzenvielfalt?

Vor ca. 10.000 Jahren wurden die ersten Menschengruppen sesshaft. Das war der Startpunkt für Ackerbau und Pflanzenzüchtung. Durch Auslese, Beobachten und Lernen entwickelten sich Kulturpflanzen mit gewünschten Eigenschaften. Die Menschen selektierten die Pflanzen beispielsweise nach Geschmack, Sättigungsgefühl, Lagerfähigkeit oder Robustheit. So entstand im Verlauf der Zeit eine sehr große Vielfalt an eigenständigen Kulturpflanzen mit eigenen Namen und spezifischen Eigenschaften.

Ihr wertvolles Saatgut nahmen die Menschen beim Weiterziehen mit und säten es an anderen Orten wieder aus. Einige Pflanzen passten sich den neuen Ortsbedingungen, wie veränderte Böden, klimatische Bedingungen oder Höhenmeter, an. Auf diese Weise wurden die Pflanzen zu starken Anpassungsleistungen gezwungen und es bildete sich über Jahrtausende eine enorme Kulturpflanzenvielfalt.

Was bedeutet Samenfestes Saatgut?

Diese verschiedenen Kulturpflanzen werden seit jeher angebaut. Ein Teil der Ernte wird am Ende zur Saatgutgewinnung einbehalten. Dieses Saatgut bildet die Basis für die zukünftige Ernte. Samenfestes Saatgut zeichnet sich dadurch aus, dass die Pflanzen, die aus diesem Saatgut resultieren, dieselben Eigenschaften und Gestaltungsformen wie die Elternpflanzen aufweisen. Durch Wind- oder Insektenbestäubung können diese Pflanzensorten, wie schon bei unseren Vorfahren, natürlich vermehrt werden. Samenfestes Saatgut beruht daher meist auf alten Sorten. Durch ökologische Züchtung entstehen aber auch neue nachbaufähige Sorten.

Vorteile Samenfestes Saatgut

  • Wir Gärtner können das Saatgut problemlos weitervermehren
  • Samenfestes Saatgut beruht auf einer breiten genetischen Basis
  • Samenfeste Sorten besitzen das Potenzial sich den Bedingungen im Garten anzupassen (Klima, Boden, Lage)
  • Durch die Verwendung von samenfesten Sorten tragen wir Gärtner zum Erhalt und zur Vermehrung von Sortenvielfalt bei
  • Wir haben eine große Auswahl an alten Sorten mit individuellen Geschmacksnoten, gesunden Inhaltsstoffen und passenden Eigenschaften für unsere Region

Nachteile samenfeste Sorten

  • Ertrag kurz- und mittelfristig schwer zu kalkulieren
  • Die resultierenden Pflanzen und Früchte sind nicht so einheitlich
  • Gewisse Sorteneigenschaften sind nur schwer erreichbar
  • Bei großen Flächen ist die Kultivierung mit viel Aufwand verbunden

Was sind F1-Hybride?

Die F1-Hybride gehen auf die Mendelschen Gesetze und die Ergebnisse von George H. Shull und Edward M. East im Jahr 1908 zurück. Sie erkannten das Heterosis-Prinzip als Grundlage der Hybridzüchtung auf der Basis von Inzuchtlinien.

Einfach erklärt wird eine Pflanze mehrmals mit sich selbst gekreuzt und ihr Genpool so über mehrere Generationen hinweg verkleinert. Die Pflanze ist nun reinerbig und besitzt ganz spezielle Eigenschaften. Anschließend wird diese Pflanze mit einer anderen reinerbigen Pflanzenlinie gekreuzt und es entsteht ein F1-Hybrid. Dabei steht das F für Tochter.

F1-Hybride sind also Pflanzen der ersten Tochtergeneration, die aus der Kreuzung von zwei reinerbigen Elternpflanzen hervorgegangen sind. In der F1-Genration tritt nun der Heterosis-Effekt auf. Er sorgt dafür, dass die F1-Hybride die Eigenschaften der Eltern übertreffen und beispielsweise vitaler und ertragreicher sind. Nachfolgend seht Ihr die Unterschiede zwischen Hybridzüchtung und samenfestes Saatgut.

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Der Große Haken bei den F1-Hybriden liegt in der folgenden sogenannten F2-Generation. Dort findet eine starke Aufspaltung der Eigenschaften statt. Die gewünschten Eigenschaften bilden sich zurück und es kommt zu einer Vermischung der Merkmale. Gewonnenes Saatgut aus den F1-Hybriden hat im folgenden Jahr weniger Ertrag, bei den Pflanzen können ungewollte Merkmale wieder auftreten und die Keimfähigkeit lässt nach. Kurz gesagt, entstehen Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften im Vergleich zur F1-Generation.

Vorteile F1-Hybrid vs. Samenfestes Saatgut

  • Die Pflanzen erreichen in der Regel höhere Erträge
  • Es entstehen in der F1-Generation sehr einheitliche Pflanzen und Früchte
  • F1-Hybride eignen sich daher gut für den gewerblichen Anbau
  • Die Hybridzüchtung kann spezielle Sorteneigenschaften hervorbringen, die über die natürliche Vermehrung nicht oder nur schwer zu erreichen sind

Nachteile F1-Haybrid vs. Samenfestes Saatgut

  • Hybridsaatgut ist nicht samenfest. Wir Gärtner können daher daraus kein stabiles Saatgut selber gewinnen
  • Hybrides Saatgut muss jedes Jahr neu nachgekauft werden
  • Wir machen uns abhängig von einer Saatgutfirma
  • Folglich besteht auch keine Möglichkeit, dass sich die Pflanzen an unsere ganz individuellen Garten-Bedingungen anpassen können
  • Wir Gärtner fördern mit dem Kauf von Hybrid-Saatgut den Sortenrückgang

Große Abhängigkeiten durch Hybridzüchtung und Gentechnik

Saatgut ist vom Kulturgut zum Betriebsmittel geworden. Es wurde kommerzialisiert und ist heute ein sehr lukratives Geschäft. 60 Prozent des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut und Agrarchemikalien werden seit der Übernahme von Monsanto durch Bayer nur noch von drei Konzernen dominiert: Bayer-Monsanto, Dow-DuPont und ChemChina-Syngenta. Dabei ist Bayer-Monsanto aktuell der mit Abstand größte Agrarkonzern weltweit.

Die Saatgutkonzerne verschaffen sich machtpolitischen Einfluss, teilen den Markt untereinander auf und unterdrücken den Wettbewerb. Durch Patente und Sortenschutz konzentrieren sie ihre Macht. Dabei ist das Geschäftsmodell teuflisch und genial. Durch Hybrid-Saatgut und GMOs (gentechnisch verändertes Saatgut) sind die Bauern gezwungen das Saatgut jedes Jahr nachzukaufen. Um den Ertrag stabil zu halten, werden die entsprechenden Dünger und Pestizide gleich mitverkauft. So wird die Abhängigkeit verstärkt und die Gewinne sprudeln. Auch deshalb setzen wir uns ganz bewusst für das giftfreie Gärtnern ein.

Drastisch wird das ganze wenn Kleinbauern aus Entwicklungsländern in dieses System geraten und sich verschulden. Die Bauern werden durch dieses System in eine große Abhängigkeit getrieben, die Anbauflächen stark beansprucht, regionale Sattgutsysteme zurückgedrängt und die Sortenvielfalt zerstört. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) betrug der Sortenverlust bei Kulturpflanzen in den letzten 100 Jahren über 75%.

Bodenbeanspruchung im großen Maßstab

Durch eine großflächige Umstellung auf Hochleistungssaatgut, Monokultur, Pestizide, Dünger und intensive Bewässerung ist der Ertrag in vielen Ländern der Erde stark gestiegen.

So hat sich die landwirtschaftliche Produktion in den letzten 50 Jahren global nahezu verdreifacht. Gleichzeitig wuchs die Anbaufläche nur um 12 Prozent. Die moderne Landwirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten also sehr erfolgreich gewesen.

Doch zu welchem Preis?

Durch diese Art der Landwirtschaft bestehen ca. 45 Prozent der Böden Europas aus immer  weniger Bodenlebewesen und Humus. Dadurch wird der Lebensraum der Organismen, die den Boden lockern, kleiner. Die Fruchtbarkeit der Böden nimmt ab. Und der Boden verdichtet sich. Forscher der Universität Wein fanden heraus, das mit Pestiziden gebeiztes Saatgut die Aktivität der Regenwürmer negativ beeinflusst.  Mehr zum Thema gesunder Boden im Garten findest du HIER

Saatgut für die Gartensaison 2019

In diesem Jahr brauchen wir uns gar nicht so viel Saatgut bestellen, da wir noch einiges von den Vorjahren übrig haben. Da wir, wie ihr jetzt wisst, samenfeste Sorten verwenden, gewinnen wir auch mehr und mehr unser eigenes Saatgut. Aus der letzten Saison zum Beispiel Bohnen, Erbsen, Mais, Kohlrabi, Paprika und Tomaten. Dass soll in Zukunft aber noch mehr werden. Wir haben auch schon einmal mit Feldsalat experimentiert und Ihn blühen lassen (schöne gelbe Blüte). Er hat sich dann selber ausgesamt und kommt hier und da von alleine wieder. Um den Ertrag von samenfesten Pflanzen zu erhöhen bieten sich Mischkulturen an. Als Vorbild nehmen wir uns die Methoden von Gertrud Franck.

Fazit: Samenfestes Saatgut im Garten ist die bessere Wahl

Für uns als leidenschaftliche Naturgärtner liegen die Vorteile von samenfestem Saatgut auf der Hand. Wir können unser eigenes Saatgut einbehalten und dadurch für unseren Garten angepasste und robuste Pflanzen entwickeln. Samenfestes Saatgut fördert zudem die Sortenvielfalt und die Abwechslung im Garten und auf unserem Teller. Wir setzen damit ein Zeichen gegen Saatgutkonzerne und ihren Machtmissbrauch und können frei und unabhängig mit dem Saatgut experimentieren, Samen tauschen und altes Wissen konservieren.

Wo bekomme ich samenfestes Saatgut?

Mittlerweile gibt es wirklich einige Anbieter von samenfestem Saatgut. Wir haben bisher bei Samenbau-Nordost und Biogartenversand Samen bestellt und gute Erfahrungen gemacht. Einen schönen Überblick vieler Anbieter findet ihr hier:

Liste von Anstattdessen

Der Gedanke ist das Saatkorn der Tat

So, mit diesem schönen Sprichwort endet dieser Beitrag! Was benutzt Ihr im Garten für Saatgut und warum? Kanntet Ihr die Unterschiede zwischen samenfesten Saatgut und F1-Hybriden? Schreibt es uns in die Kommentare

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Basti

Basti

Es gibt in der Natur beeindruckendes zu entdecken und ich habe noch so viele Fragen. Durch unseren Garten lerne ich ständig dazu und beginne zu verstehen, wie groß die Natur ist. Ich bin neugierig und möchte die Zusammenhänge erforschen. Für mich ist klar, dass ich auf Gift im Garten verzichten möchte. Die Tiere und Pflanzen sollen Räume haben, sich zu entwickeln. Daher unterstützen wir das Naturgarten Konzept und erklären Euch auf diesem Gartenblog viele verschiedene Naturgarten Ideen.

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2 Kommentare
  • Hallo Basti,

    vielen Dank für diesen hilfreichen Beitrag! Ich habe erst letztes Jahr in meinem neuen Garten mit dem Pflanzen von verschiedenen Gemüsen angefangen und auch versucht, alte Sorten zu verwenden.
    Allerdings habe ich noch keine Ahnung, wie genau man die Samen aus den Pflanzen gewinnt. Vielleicht finde ich dazu hier noch ein paar Anregungen auf Deiner Seite! Ich lasse mich überraschen 🙂

    Viele Grüße
    Zerlina

    • Hallo Zerlina,
      die Samen zu gewinnen, ist ganz unterschiedlich. In der Regel müssen die Pflanzen zur Blüte gebracht und dann bestäubt werden. Dann entstehen Samen, die z.B in Kapseln (Schwarzkümmel aka Jungfer im Grünen), in der Frucht (Paprika, Tomaten, Gurken), direkt das Lebensmittel selbst (Bohnen und Mais) etc. Vielleicht machen wir dazu nochmal einen Extra-Beitrag.

      Liebe Grüße
      Basti

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Basti

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